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9. Kernfrage: Jesus – wer war und wer ist das?

2. April 2013 | Erstellt von Arbeitskreis Thema Jesus

Woher kommt das eigene Verständnis von Jesus? Es gibt Romane und historische Darstellungen über ihn, Filme, Musik, und das Neue Testament in der Bibel, nicht zu vergessen die vielen Abbildungen und Kreuze in den Kirchen und die kirchliche Lehre. Aus all dem kann ausgewählt und das eigene Jesusbild geformt werden, das von „Jesus der Mensch“ bis hin zu „Gottes Sohn“ und Weltenrichter am Ende der Zeit reicht. Welche Bedeutung hat Jesus für den Glauben in dieser Zeit? Ist hauptsächlich seine Lehre und das Vorbild seines Lebens wichtig oder sein Tod als Opfer zur Vergebung der Sünden und seine Auferstehung als Beginn neuen Lebens?

Zum gesamten Text der 9. Kernfrage

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8 Kommentare

  • Hartmut Neumann schrieb:

    Was damals mit Jesus passiert ist, das nennen moderne Theologen heute, dies ist eine göttliche Selbsterschliessung. Selbsterschliessung meint, dass das Göttlich-Geistige im Menschen hervortritt und sich selbst erkennt.
    Indem das Göttlich-Geistige nun zum Primat wird, wird der ganze Mensch zum Christus, zu einem Träger des göttlichen Geistes.
    Er ist nun beides, Mensch im creatürlichen Sinne und göttlich-geistiges Wesen im geistigen Sinne.
    Wenn man will, kann man sagen, der Christus (oder der vollkommene Mensch) ist nun auch Symbol des göttlichen Geistes. Von den Menschen seiner Zeit wird er empfunden als „das Licht der Welt“ , als Erlöser, also als der Christus halt!

    Die Begriffe „Jesus“ und „Christus“ bedürfen m.E. einer genauen Definition:
    Der Name „Jesus“ steht für einen Menschen oder für einen „Menschensohn“ (wie er sich selber genannt hat),
    dagegen bedeutet der Name „Christus“für mich: dies ist ein Mensch, der ganz und gar vom göttlichen Willen, von der
    göttlichen Allmacht und von der göttlichen Vollkommenheit durchdrungen ist;aus ihm leuchtet also die göttliche Vollkommenheit hervor. Man könnte, ja sollte ihn als Erlöser oder „als Licht der Welt“ bezeichnen.
    Dies gilt in gewissem Umfange auch für andere Menschen, z.B. ein Albert Schweitzer war ebenso von Geist, von Güte und Barmherzigkeit durchdrungen,(und es gibt vielleicht viele andere Beispiele) immer dann und dort wo ein Mensch (Frau oder Mann) offensichtlich vom göttlichen Geist geleitet wird, dort wird der „Christus-in-uns“ offenbar.
    (…dies aber soll den ersten Christus nicht geringer machen, er ist und bleibt „das Licht der Welt“ , aber, ein bisschen nachfolgen, das dürfen wir schon!)

  • Horst Scheitel schrieb:

    1984 wollte ich es genau wissen: Wie lautet das EVANGELIUM Jesu, seine GUTE NACHRICHT? Das NT war zuvor in zeitgemäßer Sprache erschienen, und plötzlich bekamen viele bekannte Verse einen verstehbaren Inhalt, und ganze Textpassagen erschlossen sich erstmalig durch die neue Übersetzung.
    Die Zusammenfassung des damaligen Lesemarathons habe ich wegen der Kriterien 2 und 3 unter „Allgemeine Diskussionsbeiträge“ eingefügt.
    Heute sehe ich die Unterscheidung “Jesus als Verkündiger des Reiches Gottes“ und “Jesus als von Paulus verkündigter Christus“ nicht mehr als Gegensätze sondern als gegenseitige Ergänzung.
    Die Lehre Jesu ist sicher der Kern, das, worauf es im Leben ankommt, was geht und was nicht. Jesus greift diesbezügliche Wegweisungen im Alten Testament von den 10 Geboten über die Propheten bis zu den Psalmen auf und entwickelt sie weiter. Die Kenntnis seiner Lehre kann lange eigene Erkenntnisprozesse wesentlich abkürzen.
    Diese anspruchsvolle Kost ist jedoch für Menschen in Zeiten der Schwäche, z.B. als Kind, bei Krankheit oder im Alter, kaum von Interesse. In diesen Phasen steht eher das Bedürfnis nach Geborgenheit, Zuspruch und Trost im Mittelpunkt, welches im Vertrauen auf Jesus Christus gestillt werden kann. Kinder können zudem nicht rational an Jesus herangeführt werden, sie brauchen die emotionale Basis.

    • Eckart Emrich schrieb:

      Ich setze an bei „Jesus als Verkündiger des Reiches Gottes“. Bevor als anderer Aspekt „Jesus als von Paulus verkündigter Christus“ zu beleuchten und die Frage zu stellen ist, ob die beiden Betrachtungsweisen als entgegengesetzt oder ergänzend zu sehen sind, gilt es, dem Inhalt dessen, was Jesus verkündigt, ernsthaft und kritisch gerecht zu werden.
      Also: Was soll das sein, das „Reich Gottes“? Und dann: Hat diese Botschaft Jesu auch für uns heute noch Bedeutung? – Ich empfehle dazu das Büchlein von Claus Petersen, Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes. Aufruf zum Neubeginn, Kreuz Verlag 2005.
      In wenigen Sätzen referiert: Petersen fragt zunächst konsequent historisch-kritisch nach denjenigen Texten in den Evangelien, die mit höchster Wahrscheinlichkeit „original Jesus“ sind. Sein Unterscheidungs-Maßstab ist das „Unvergleichlichkeitskritierium“, d.h. Worte, die sich einerseits von den Lehren des zeitgenössischen Judentums abheben, und sich andererseits auch nicht aus der Situation der frühchristlichen Gemeinden erklären lassen. Als solche identifiziert er ganze 21 Texte, ohne jedoch absolut auszuschließen, dass auch noch andere anzuführen seien. Auf dieser schmalen, aber ausreichenden Textbasis legt er dar, dass das revolutionär Neue an Jesu Botschaft darin besteht, dass er das Reich Gottes als bereits gegenwärtig erfahrbar verkündet – es gilt nur, den Charakteristika dieses Reiches volles Vertrauen zu schenken und demgemäß sein eigenes Leben zu ändern.
      Petersen zeigt dann auf, welche verblüffende Aktualität in den von ihm exegetisch näher beleuchteten 21 Texten steckt. Wer das einmal nachvollzogen hat, kommt kaum umhin, in der weiteren Entwicklung des NT (und zwar sowohl der Paulustexte als auch der Evangelien) eine verhängnisvolle Abkehr von Jesu ursprünglicher Botschaft zu erkennen. Wichtiger scheint es da, Jesus mit Ehrentiteln zu schmücken und zu vergöttlichen – was Jesus selbst vehement abgelehnt hat, was aber in der weiteren Bekenntnisbildung der Alten Kirche dann in die Sühnopferlehre sowie in die Trinitätslehre mündete. (Letztere wird von Juden wie von Muslimen abgelehnt – und von den meisten Christen nicht verstanden…) Das Schlimmste aber ist eben die Abkehr von Jesu authentischer Reich-Gottes-Verkündigung und die Verschiebung des Fokus der Verkündigung auf die paulinische Rechtfertigungslehre. Paulus erklärt 2.Kor. 5,16, dass ihn die Botschaft Jesu nicht interessiert! Seine Gedanken kreisen vor allem um Kreuzestod und Auferstehung Jesu – verständlich aus dem Bekehrungserlebnis des Paulus, das auch mit Nahtod und neuem Leben zu tun hatte und seine Ausrichtung um 180 ° drehte; verständlich auch, dass Luther bei seinen Glaubensqualen im Kloster in eben diesen Paulusworten den befreienden Durchbruch erlebte. Aber nicht länger hinnehmbar ist, dass die Linie Paulus-Luther im evangelischen Glaubensverständnis noch immer dominiert und im Vorfeld von 2017 immer neu aufgewärmt wird – während die eigentliche Lehre Jesu so sehr ein Schattendasein fristet, dass sie in dem neuen „Grundlagentext“ der EKD mit dem Titel „Für uns gestorben“ nicht einmal erwähnt wird – und somit ihre heilsame Entschiedenheit dem desolaten Erscheinungsbild der heutigen Kirche eben völlig fehlt. – Besser wäre es, 500 Jahre nach Luthers Reformation den Anfang einer Neuen Reformation auszurufen auf der Grundlage der tatsächlichen Botschaft Jesu.

  • Rolf Thoma schrieb:

    Jesus – unentbehrlich

    „Vieles am Jahrtausende alten Gebäude der christlichen Glaubenslehre ist ehrwürdig, aber für uns heute auch entbehrlich. Aber dieser eine Mensch, Jesus, nicht.ˮ Man kann die Bibel ohne ihn lesen. Sie enthält gewiß nützliche Gebote und eine einleuchtende Ethik, aber so etwas findet man auch bei Kong Fu Tse. Ohne Jesus gibt es wohl die Möglichkeiten der Versenkung und der Meditation, aber das findet sich auch bei Gaudama Buddha und den fernöstlichen Mystikern. – Man kann das Geheimnis dieses Mannes aus Nazareth eigentlich nicht „erklären“. Man kann nur von ihm erzählen. Wir sind Jesus am nächsten, wenn wir die großen und schweren Hauptwörter unserer Sprachen meiden und uns an die Geschichten Jesu halten. Denn Jesus hat Gott nicht erklärt, sondern von ihm erzählt.

  • Bund freies Christentum schrieb:

    Bund freies Christentum: Die Bedeutung der Gestalt Jesu muss in heute verständlichen Begriffen zum Ausdruck gebracht werden. Viele Bekundungen aus Vergangenheit und Gegenwart erweisen, dass in der Begegnung mit ihm die liebende Zuwendung und der fordernde Anruf Gottes erfahren werden. Lösende und heilende Kräfte gehen von ihm aus, er weckt Hoffnung und Zuversicht, er ruft zu vorbehaltloser Menschlichkeit. Das Geheimnis seines Wesens und Wirkens, seines Leidens und seiner Todesüberwindung wird niemand ergründen. Die Versuche, das Besondere in seiner Erscheinung symbolhaft auszudrücken, haben immer wieder Sinn und Recht. Die Ergebnisse solcher Versuche dürfen nicht als „ewige Wahrheit“ missverstanden und zum Glaubensgesetz gemacht werden.

  • Werner Grau schrieb:

    Kernfragen des Glaubens. Jesus von Nazareth – Jesus Christus?
    Eine Orientierung an Karl Jaspers mit Hinblick auf Hans Küng.

    Als Paulus den Athenern auf dem Areopag den von ihnen verehrten „unbekannten Gott“ als jenen Jesus Christus verkündete, besaßen sie die weltläufige Höflichkeit ihm zu sagen, „darüber wollen dich ein andermal hören“. Soll unsere Antwort heute lauten, „damit brauchst du uns gar nicht mehr zu kommen“? Eine Antwort von geradezu marcionitischer Radikalität, die aus dem Neuen Testament das Herzstück der Verkündigung ausradieren würde. Aus jenem, wie P. Sloterdijk ironisch angemerkt hat, ohnehin „sehr schmalen Faszikel, das den christlichen Theologen zur Bearbeitung übergeben ist“.
    Stellt man dazu in Rechnung, was die Kirche de facto vom Alten Testament übrig lässt, an das sie zwar wieder Anschluss gesucht hat, aus dem sie in ihren gottesdienstlichen Perikopen aber alles weg lässt, was als „Gesetz“ und großenteils höchst anstößige Geschichte Israels den Gläubigen nicht zugemutet werden soll (was also höchstens den Frommen vom Schlage der Zeugen Jehovas zum Nachweis göttlichen Anspruchs an die Menschen dienen kann, wenn man es nicht gerade selber im Streit um gleichgeschlechtliche Liebe und Ehe brauchen kann), nähme man auch noch hinweg, was durch die Evangelien in der hebräischen Bibel auf Jesus als den Messias und Gottesknecht gedeutet wird, dann schrumpft die Heilige Schrift schon rein äußerlich ganz gewaltig. Was aber bleibt von ihrem Gehalt?

    „Jetzt aber ist … offenbart geworden … die Gerechtigkeit aus dem Glauben an Jesus Christus offenbart für alle, die glauben.“ (Röm 3). Darauf muss immer noch gefasst sein, wer sich heute als Protestant auf Luther als Reformator und Theologen berufen will.

    Zum Thema „Wer oder was ist Jesus – für mich, für uns?“ habe ich die eigene knappe Antwort gegeben, es falle schwer, von „meinem Jesus“ zu reden, wenn sich faktisch eine ganze Kirchengeschichte und ihre Theologie vor solche subjektiven Aussagen drängt.
    Für viele Protestanten steht im Zentrum immer noch Luthers Einsicht von der Gerechtigkeit aus dem Glauben an Jesus Christus. Johanneisch gesprochen, daran, dass der Logos mit und seit Jesus von Nazareth der Welt einwohnt. Das könnte alle theologisch-philosophischen Erörterungen um Theismus, Pantheismus, Panentheismus belanglos werden lassen. Von der Antwort auf die scheinbar harmlose Frage nach „meinem Jesus“ hängt also nicht wenig ab und wir könnten uns gesagt sein lassen: „In einem Moment der Unachtsamkeit gegen Gott ist mehr verloren als wenn der Mensch ein paar Jahrhunderte lang den Fortschritt verschlafen hätte.“ (Durs Grünbein).

    Ohne Christus verdiente die christliche Kirche ihren Namen nicht. Nicht vom Religionsstifter oder von einem Ehrentitel für einen großen Menschen geht die Rede, sondern von der Existenz des Menschen Jesus von Nazareth als Christus. Das ist Christologie von oben, kirchliche Verkündigung in Lehrsätzen als Grund Grund des Glaubens. Eine „Christologie von unten“ will uns auf den Menschen Jesus von Nazareth verweisen: „Grund, Ursache und tragende Basis des christlichen Glaubens ist Jesus der Mensch! Nicht … der zum Gott dogmatisierte … „Christus“.

    Was aber wüssten wir ohne die Kirche des Christus vom Menschen Jesus? Eine historisch kritische Forschung allein würde alle Realität aus dem Bild dieser spätantiken Erscheinung am Rande der hellenistisch-römischen Welt verschwinden lassen, die im Dunkel lebte, kaum bemerkt. Ohne die Kirche und ihre Bewahrung und Interpretation des Kanons blieben uns nur die undeutlichsten Zeugnisse.
    Man hat immer wieder versucht, Jesus als den Fall eines der in seiner Zeit verbreiteten Typen religiös und politisch erregter Menschen zu verstehen. Jesus mag sich mit ihnen sehr wohl auch berühren, weil sie passende Kategorien für den seinen Daseinsvollzug hergeben. So wie wir ihn in der Verkündigung wahrnehmen, bricht aber die Wirklichkeit Jesu durch als ein Ereignis aus anderem Sinn und Ursprung, als Ereignis von ganz anderem Rang.

    Für Karl Jaspers
    offenbart er völlig andere Dimensionen, wenn er Jesus unter die „maßgebenden Menschen“ rechnet, gemeinsam mit Konfuzius, Buddha und Sokrates. (Die großen Philosophen).
    Für Jaspers war Jesus in allen lehrbaren Inhalten keineswegs neu. Mit außerordentlicher Kraft lebte er im nach-exilischen jüdischen Gottesgedanken. So gesehen war er der letzte der jüdischen Propheten, auch wenn ihn die jüdische Theokratie, die mit dem biblischen Kanon die alten Propheten noch akzeptierte, nicht mehr hinnehmen konnte. Seinen Gottesglauben dagegen nennt Jaspers eine der großen Gestaltungen der jüdischen Religion.

    Für Jaspers ereignet sich mit Jesus eine ganz besondere Umwandlung. Der Gott, den er verkündet, ist immer noch wirkende Person. Die Jünger aber glauben nach Jesu Tod nicht mehr an diesen Gott, sondern, ohne Jesus, an den auferstandenen Christus. Das ist der entscheidende Schritt von der Religion des Menschen Jesus als eines der Propheten des Judentums, zur christlichen Religion.

    Wäre es dann nicht faktische Wahrheit, Wahrheit, mit der das Christentum steht und fällt: Dass Jesus aus einer menschlichen Wirklichkeit verwandelt wurde in einen Gegenstand des Glaubens, dass er, wie Bultmann das geprägt hat, „auferstanden ist in das Kerygma.“? Und das, was immer wieder als Aufweis eines „aufgeklärten Glaubens“ verstanden wird, der Verweis auf einen historischen Ablauf, nämlich die Hinwendung zu den Lehren des Jesus von Nazareth, dann seine Annahme als den Messias, der „dogmatisierende“ Glaube sodann an ihn als den Sohn Gottes, und schließlich als wesensgleich mit Gott selber, das fiele dann nicht mit dieser Wahrheit zusammen. Das Apostolikum weiß offenbar darum, wenn es die menschliche Wirklichkeit Jesu überhaupt auslässt, bis auf den berühmten „Pontius im Credo“.

    Können wir wirklich die exklusive Menschlichkeit von Jesus wieder an die Stelle des Bekenntnisses seiner Göttlichkeit treten lassen, damit wir es leichter haben mit einem unanstößigen Glauben? Wir müssten dann zuerst Paulus und zuletzt auch Luther fahren lassen. Den Glaubenszeugnissen der Evangelien aber könnten wir höchstens noch den Respekt zollen, den man historischen Denkmälern schuldig ist.
    Es bleiben die zwei Befunde: Ohne die geheimnisvoll-rätselhafte Glaubenswende der Jünger wären die Inhalte unseres Glaubens nicht zur neuen historisch wirksamen Realität geworden. Und ohne die Kirche und ihre Dogmengeschichte hätte das Christentum sich nicht durch zwei Jahrtausende entfalten können. Historische Überlieferung hätte dazu niemals die Basis abgegeben.

    • Werner Grau schrieb:

      Jesus bei Hans Küng

      Im Unterschied zu Jaspers, der auch in der Unterscheidung zwischen den „maßgebenden Menschen“ den gemeinsamen Nenner der Größe betont, argumentiert Küng stärker aus der spezifischen Differenz:
      Die Evangelien erinnern uns an Jesus. In dieser Erinnerung aber werden 20 Jahrhunderte christlicher Geschichte und Tradition zusammengehalten. Es ist die Erinnerung an einen Menschen mit Namen Jesus, der durch die Jahrhunderte Christus, Gottes letzter und entscheidender Gesandter genannt wird. Als der wurde er erfahren, nicht als Gott. Wäre es anders, hätte all unser Fragen nach Gott längst ein Ende gefunden und in der Tat scheint es so, als solle mit Verweis auf Jesus das Fragen nach Gott ruhig gestellt werden. Das Besondere am Christentum, seine Differenz zu allen Religionen aber auch zu allen Humanismen, ist jedoch Jesus als der Christus. Dass Jesus „maßgebend“, sei, macht auch für Küng das entscheidend Ureigene des Christentums aus, maßgebend aber ist er für die Beziehung zu Gott, und erst damit für die Beziehung zum Mitmenschen und zur Gesellschaft.
      Christlich ist dann nicht schon, was gut, schön, human ist. Christentum ist nicht überall, wo Humanität verwirklicht wird. Christ ist nicht jeder Mensch guten Willens. Christentum besteht nach Küng vielmehr in der Aktivierung der Erinnerung an Jesus Christus in Theorie und Praxis. Jesus Christus selbst ist das Programm.

  • Dr. Heinz Liberda schrieb:

    Dr. Heinz Liberda 29.5.13

    Ich teile weitgehend Hans Küngs Einstellung zur Trinität und zur Göttlichkeit Jesu .

    Mußte Jesus Gott sein um uns zu „erlösen“?
    Wäre es möglich, statt „Jesus hat uns erlöst“, zu sagen, „Jesus hat uns verkündet, dass wir erlöst (bzw. gar nicht „das Gegenteil von erlöst“) sind. Das wäre ja auch eine Erlösung – aus einer Angst vor dem „Gegenteil von Erlösung“. Diese Angst dürfte im hellenistischen Kulturkreis stärker ausgeprägt gewesen sein als im Judentum.
    (Wo wären unsere Kirchen heute ohne diese Angst ?)

    Erschafft der liebende Gott überhaupt Menschen, die später unter eine „massa dammnata“ fallen?
    Wollen wir Gott nicht zutrauen, dass er an unsere menschliche Logik nicht gebunden ist und dass daher das Problem „Allerlösung / freier Wille“ bei ihm nicht existieren muss?

    Vor dem Hintergrund der Überzeitlichkeit Gottes: Dürfen wir nicht alle hoffen, immer schon „erlöst“ zu sein – in Gottes „Gedanken“ schon vor unserer Geburt?

    Küng hat (wie ich meine) die nichttheologischen Hintergründe des Konzils von Nicäa nicht thematisiert . Die Beweggründe Kaiser Konstantins, dieses Konzil anzuordnen, werden ja heute weitgehend neu interpretiert. „Nicäa“ und seine theologischen Weiterentwicklungen scheinen mir weitgehend tabuisiert – bei vielen Konfessionen.
    Ich vermute, einige Fundamente unseres Glaubens würden sich als morsch erweisen, wenn „Nicäa“ und die nachfolgenden Einengungen des Christusglaubens nach heutigen intellektuell redlichen Maßstäben hinterfragt würden.

    Mein Gottesglaube und mein Verhältnis zu Jesus ist allerdings davon kaum betroffen. Ich bin Gott unendlich dankbar für Jesus, und Jesus dankbar dafür, dass er die angebotene Gnade Gottes bis zum Letzten ergriffen hat bzw. sich von ihr ergreifen lassen hat. Die Gnade Gottes ist für mich praktisch identisch mit dem Heiligen Geist der Trinitätstheologie.



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